Im Porträt

Christine Freudenberg

Christine, herzlich willkommen in unserer Kirchengemeinde in Kreuzberg-Mitte! Was hat Dich mit deiner Familie vor einem Jahr von Freiburg nach Berlin gezogen?

Wir – mein Mann Christoph, ich und inzwischen auch unsere kleine Amelie - sind hier vor einem Jahr zwischen der Hasenheide und dem Landwehrkanal gelandet, und wir fühlen uns hier sehr wohl. Oft werden wir gefragt, was einen nach 16 Jahren aus dem grünen Freiburg im Breisgau nach Kreuzberg verschlagen hat. Für uns war es die Gelegenheit, sich mit Ende dreißig nochmal richtig neu aufzumachen und als Brandenburgerin und Sachse näher an unsere Familien zu ziehen.

Warum gerade Kreuzberg?

Kreuzberg war Zufall: Der Finger auf der Stadtkarte landete ganz einfach auf der Mitte unserer Arbeitswege. J So waren uns die Stadt und die Landschaft der stillen Reize drum herum nicht ganz unbekannt. Doch mit Berlin-Kreuzberg als Lebensraum mussten wir uns erst vertraut machen. Und klar, es sind die Kontraste, das Bunte, was wir spannend finden oder auch das andere Lebensgefühl, was einen überkommt, wenn man den Südstern oder die Schönleinstraße betritt.

Was brachte Euch in die Kirchengemeinde in Kreuzberg-Mitte?

Im Gespräch mit Freunden über die neue Beheimatung half uns der Gedanke, sich sein Dorf und seine Dorfgemeinschaft zu suchen, das direkt Umliegende. Und genau so eine Dorfstruktur haben wir mit der Melanchthon-Kirche entdeckt. Als wir in den Gottesdiensten eine wunderbare Lebendigkeit und Offenheit miterleben konnten, kam eines zum anderen. Schön war es für uns, dass Dorle und Oliver uns gleich beim ersten Kirchenkaffee ansprachen. Letzte Woche wurde dann unsere Tochter Amelie in der Melanchthon-Kirche getauft, so kommen wir alle drei langsam in der Gemeinde an.

Du hast gleich in den ersten Wochen Pastor Jean-Luc aus Kamerun in unsere Gemeinde eingeladen. In der St. Simeon-Kirche feierten wir spontan einen gemeinsamen Gottesdienst. Wie hast Du Jean-Luc kennengelernt?

Ich habe Jean-Luc eigentlich über seinen Schwiegervater Pierre Emmanuel Njock (PEN) kennen gelernt. Das war im Sommer 2009 in einer einfachen Holzkirche in Yaounde, Kamerun. Ich war gerade angekommen, um am Goethe Institut Deutsch zu unterrichten, und ich erinnere mich noch, dass alle Gesichter erst einmal gleich für mich aussahen.

Wie hast Du in Kamerun gelebt?

In diesem Sommer konnte ich bei PEN und seiner Familie afrikanisch mitleben und in die spannende Familiengeschichte und Stammesgeschichte, besonders der Basaa, eintauchen. Neben meinem Unterricht in der hupenden flachgebauten Großstadt bewegten wir uns zwischen staubigen Sandautobahnen des Urwaldes und abgelegenen Dörfern.

Was verbindet Euch heute?

Die Freundschaft zur ganzen Familie ist bis heute intensiv, und gemeinsame Projekte sind entstanden. Zwei weitere Male konnten mein Mann und ich die Familie Njock besuchen und zugleich workshops in einer abgelegenen Region halten. Ich schätze besonders die Gottestreue der Familie und den Einsatz für ihr Land.

Welchen Beitrag leistet Pastor Jean-Luc für sein Land Kamerun?

Sowohl PENs als auch Jean-Lucs Familie helfen, die afrikanischen Stammessprachen zu erhalten, zum Beispiel durch die Übersetzung der Herrnhuter Losungen ins Basaa. Trotz vieler Möglichkeiten sind PEN und Jean-Luc nach Aufenthalten in Europa - PEN war nach der Unabhängigkeit 1960/61 einer der ersten Stipendiaten in Heidelberg - wieder zurück nach Kamerun gegangen, um zu Hause etwas zu verändern. Ihr Einsatz für Witwen, Prostituierte und Waisen haben meine größte Anerkennung und Bewunderung.

Liebe Christine, danke für das Gespräch. ich wünsche Dir, Christoph und Amelie noch ein wunderbares Ankommen in Kreuzberg und in unserer Gemeinde!

Die Fragen stellte Christoph Heil

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