Im Porträt

Anneliese Anhoff

Liebe Anneliese, du hast einen Aufkleber mit dem bunten Logo und Schriftzug unserer Evangelischen Kirchengemeinde in Kreuzberg-Mitte an der Wohnungstür kleben.

Anneliese Anhoff: Den Aufkleber bekamen wir bei der Gemeindefreizeit in Hirschluch bei Storkow. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mich bei der Freizeit im Juni unter den vielen Menschen sehr wohl gefühlt. Das war eine schöne, große Gemeinschaft! Der Aufkleber ist eine schöne Erinnerung daran. Unter dem Dach der Kirche fühle ich mich wohl und gut aufgehoben.

 

Mir hast du einmal erzählt, dass du früher mit deinem Mann tauchen gegangen bist. Wie kam es dazu?

Anneliese Anhoff: Mein Mann hat mir zu Weihnachten einen Koffer geschenkt. Im Koffer war ein Gutschein für einen Tauchkurs. Das war 1979. Ich war damals 43 Jahre alt. So haben wir in Berlin die ersten Schritte mit Tauchausrüstung gelernt. Im gleichen Jahr sind wir noch nach Griechenland gefahren und haben dort unsere ersten Tauchgänge im Mittelmeer unternommen. Die schönsten Taucherlebnisse hatte ich 1981 in Ägypten im Roten Meer und später noch einmal 1987 in Jordanien. Die Unterwasserwelt ist wunderschön. Alles ist so ruhig und farbenfroh, vor allem, wenn sich von oben die Sonne im blauen Wasser bricht. Man sollte gar nicht meinen, wie hell es im Meer ist. Erst ab 20 Meter Tiefe werden die Farben etwas dunkler. Einmal tauchte ich 40 Meter tief. Die Unterwasserwelt ist eine einmalig schöne Welt. Aber das Bergsteigen war mindestens so schön, und auch eine große Herausforderung, vielleicht sogar schwieriger.
 

Was hat dir am Tauchen und Bergwandern am besten gefallen?

Anneliese Anhoff: In den Alpen sind wir bis ins ewige Eis gewandert. Dabei habe ich gelernt, was echte Kameradschaft bedeutet, und zwar von der Pike auf. Beim Tauchen und Bergwandern kann man Kameradschaft lernen, ohne das bringt das alles nichts. Das geht so weit, dass man im Notfall auch bereit sein muss, Wechselbeatmung zu machen. Gott sei Dank sind wir immer lebend zurückgekommen, aus dem Meer und von den Gletschern. Aber man muss sich auf den anderen verlassen können. Das ist oberwichtig, in allen Gebieten. So ist das beim Sport, man muss sich aufeinander verlassen können.

 

Was hat dir in Gefahren Mut gemacht?

Anneliese Anhoff: Mein Mann und ich bekamen bei der kirchlichen Trauung einen Trauspruch aus Psalm 121 mit auf den gemeinsamen Weg, an den ich mich bis heute gerne erinnere. Da heißt es: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“ (Psalm 121,1-3) Dieses Wort begleitete mich auf allen unseren Reisen.

 

Wo bist du aufgewachsen?

Anneliese Anhoff: Ich bin in Berlin-Kreuzberg geboren und lebe noch heute hier. Meine Schwester und ich können unseren Eltern dankbar sein für alles, was sie uns an Erfahrung und Liebe mitgegeben haben. Mein Vater war Metall-Schweißer bei Askania und meine Mutter war Hausfrau. 1943, im Krieg, haben uns unsere Eltern in die Stadt Sorau in der Lausitz, in der Nähe von Sagan in Niederschlesien, gebracht. Das ist heute polnisch. Sie meinten, dort wären wir besser aufgehoben. Als Berlin brannte, sahen wir den feuerroten Himmel bis nach Niederschlesien leuchten. Das war eine schlimme Zeit.

 

Was hast du beruflich gemacht?

Anneliese Anhoff: Als Kind habe ich mich wahnsinnig für Autos interessiert. Ich war gerne bei meinem Onkel in der Autowerkstatt. Trotzdem habe ich nie Autofahren gelernt und habe heute immer noch keinen Führerschein. Später arbeitete ich als Verkäuferin. Als ich meinen Mann kennengelernt hatte, stellte er mich in seinem Büro ein. Damals hat man noch Kontoristin gesagt. Zuletzt arbeitete ich im Autohaus in der Ritterstraße an der Kasse, wo heute Ritter Butzke ist. Meine letzte Stelle hatte ich im Büro einer Papiergroßhandlung in Reinickendorf. Meine Tätigkeiten umfasste alles von der Kundenbetreuung bis zur Auftragsvergabe. Und das ging damals alles ohne Computer! Mit meinen damaligen Kollegen habe ich noch heute Kontakt.

 

Gab es außer dem Tauchen, Bergsteigen und den Autos noch etwas Außergewöhnliches?

Anneliese Anhoff: Als Kind wollte ich unbedingt Klavier lernen. Meine Schulfreundin, eine Drogistentochter, hatte ein Klavier, und das wollte ich auch. Meine Mutter sagte, ein Klavier passt nicht mehr ins Wohnzimmer. So hat mir mein Vater zu Weihnachten ein Akkordeon geschenkt. Ich fing mit Volksliedern an, später kamen die Schlager von damals. Ich weiß nicht, ob ich heute noch etwas spielen könnte. Ich habe seit 30 Jahren kein Akkordeon mehr in den Händen gehalten.

 

Seit März engagierst du dich auch sozial in Kreuzberg.

Anneliese Anhoff: Das ist richtig. Seit März bin ich Mitglied im Quartiersrat am Wassertorplatz. Dort berate ich mit anderen Vertretern aus der Nachbarschaft, was wir tun können, damit unser Kiez liebenswert bleibt und sauberer und sicherer wird. Das macht mir großen Spaß. Vor wenigen Wochen gab es ein Kiez-Fest auf dem Kastanienplatz in der Wassertorstraße, und plötzlich habe ich mit lauter bekannten Gesichtern an einem Tisch gesessen. Das war wunderbar!

 

Liebe Anneliese, ich danke dir für das Gespräch!

 Das Gespräch führte Pfarrer Christoph Heil

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